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Umbau & Planung

Sturzprävention zu Hause: Maßnahmen, Kosten & Checkliste 2026

22. Februar 202615 Min. Lesezeit

Warum Sturzprävention lebenswichtig ist

Jedes Jahr stürzen in Deutschland mehr als 5 Millionen Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal. Fast jeder vierte Senior (23,8 %) ist betroffen, bei den über 80-Jährigen sogar jeder dritte (33,5 %). Das sind keine abstrakten Zahlen: Ein einziger Sturz kann das gesamte Leben verändern.

Die Folgen sind gravierend:

  • 120.000 bis 135.000 Oberschenkelhalsbrüche pro Jahr allein in Deutschland
  • 10 % der Betroffenen sterben innerhalb von 30 Tagen nach der Operation
  • Nur 40 bis 60 % erreichen wieder ihr früheres Mobilitätsniveau
  • Bis zu 20 % verbleiben dauerhaft bettlägerig oder kommen in ein Pflegeheim
  • Behandlungskosten für Oberschenkelhalsbrüche belasten das Gesundheitssystem mit bis zu 2 Milliarden Euro jährlich

Dazu kommen Handgelenksfrakturen, Wirbelkörperbrüche, Schädel-Hirn-Traumata und das oft unterschätzte Post-Fall-Syndrom: die chronische Angst vor dem nächsten Sturz, die zu sozialem Rückzug und weiterem Mobilitätsverlust führt.

Die wichtigste Erkenntnis: 75 % aller Stürze passieren zu Hause. Die eigene Wohnung ist statistisch der gefährlichste Ort. Das bedeutet aber auch: Hier können Sie am meisten verändern. Viele Sturzursachen lassen sich mit überschaubarem Aufwand beseitigen, und ein großer Teil der Kosten wird durch Pflegekasse, KfW oder Steuervorteile übernommen.

Die häufigsten Sturzursachen zu Hause

Stürze entstehen fast immer durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Fachleute unterscheiden zwei Kategorien: umgebungsbedingte Ursachen, die sich baulich beheben lassen, und personenbezogene Ursachen, die medizinische Aufmerksamkeit erfordern.

Stolperfallen im Haushalt

Stolperfallen sind die häufigste vermeidbare Sturzursache:

  • Lose Teppiche und Läufer ohne rutschfeste Fixierung
  • Türschwellen im Altbau (typisch 15 bis 20 mm Höhe)
  • Kabel über Laufwege (Telefon, Stehlampen, Verlängerungen)
  • Gegenstände auf dem Boden wie Zeitungen, Schuhe, Taschen
  • Erhöhte Badewanneneinstiege mit 50 bis 60 cm Einstiegshöhe
  • Unebene Bodenbeläge mit Rissen oder aufstehenden Kanten

Rutschige Böden

Glatte Oberflächen werden bei Feuchtigkeit zur Gefahr:

  • Nasse Fliesen in Bad und Küche ohne Rutschhemmung
  • Poliertes Parkett oder Marmor in Fluren
  • Badewannenböden ohne Anti-Rutsch-Einlagen
  • Treppenstufen ohne Trittschutzprofil

Schlechte Beleuchtung

Ältere Menschen brauchen etwa dreimal so viel Licht wie 20-Jährige, weil die Augenlinse mit dem Alter trüber wird. Typische Problemstellen:

  • Dunkle Flure und Treppenhäuser (unter 100 Lux)
  • Kein Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette
  • Fehlende Beleuchtung an Lichtschaltern
  • Blendung durch ungünstig platzierte Leuchten

Fehlende Handläufe und Haltegriffe

Ohne Halt kein sicheres Bewegen:

  • Einseitiger oder fehlender Handlauf an der Treppe
  • Kein Haltegriff neben WC, Dusche oder Badewanne
  • Handlauf, der vor dem letzten Treppenpodest endet

Medikamente als Sturzrisiko

Bestimmte Medikamente erhöhen das Sturzrisiko deutlich. Bei mehr als vier gleichzeitig eingenommenen Medikamenten (Polypharmazie) steigt die Gefahr signifikant:

MedikamentengruppeWirkung auf Sturzrisiko
Schlafmittel / BenzodiazepineMuskelschwäche, Sedierung
Antidepressiva (SSRI, TCA)Schwindel, Blutdruckabfall
BlutdrucksenkerOrthostatische Hypotonie
Opioide (Schmerzmittel)Sedierung, Gleichgewichtsstörung
Entwässerungsmittel (Diuretika)Elektrolytstörungen, Schwindel
NeuroleptikaMuskelsteifheit, Sedierung

Ältere Menschen metabolisieren Wirkstoffe deutlich langsamer. Die Halbwertzeit mancher Medikamente kann sich bei 80-Jährigen verfünffachen. Sprechen Sie mit dem Hausarzt über einen Medikamenten-Check, insbesondere nach der PRISCUS-Liste oder den STOPPFall-Kriterien.

Körperliche Veränderungen im Alter

  • Sarkopenie: altersbedingter Muskelschwund ab etwa 60 Jahren
  • Verschlechterung der Tiefensensibilität (Propriozeption)
  • Nachlassende Sehkraft, besonders die Kontrasterkennung
  • Schwindel durch Herzerkrankungen oder Blutdruckabfall beim Aufstehen
  • Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Polyneuropathie

Raum für Raum: Stolperfallen beseitigen

Die wirksamste Strategie ist systematisch: Jeden Raum einzeln durchgehen und alle Gefahrenquellen beseitigen. Die folgenden Maßnahmen sind nach Räumen sortiert, von einfach und günstig bis hin zu größeren Umbauten. Detaillierte Ratgeber zu einzelnen Räumen finden Sie für das Wohnzimmer, das Schlafzimmer und den Garten.

Eingang und Haustür

Der Eingangsbereich ist die erste Stolperfalle, besonders bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter.

Sofortmaßnahmen (unter 100 Euro):

  • Rutschfeste Fußmatte mit Gummi-Unterseite statt loser Kokos-Vorleger
  • Beleuchtete Hausnummer oder Außenleuchte mit Bewegungsmelder

Bauliche Maßnahmen:

  • Haustürschwelle auf maximal 2 cm reduzieren oder schwellenfrei gestalten (165 bis 285 Euro pro Schwelle)
  • Beidseitige Handläufe an der Außentreppe nachrüsten (300 bis 800 Euro pro Seite)
  • Automatische Außenbeleuchtung mit Bewegungsmelder (50 bis 200 Euro inklusive Einbau)

Flur und Wohnungsübergänge

Der Flur wird nachts zum Toilettengang durchquert, oft im Halbschlaf und ohne Brille.

Sofortmaßnahmen:

  • Alle losen Teppiche und Läufer fixieren oder entfernen (0 bis 50 Euro)
  • Kabel aus Laufwegen verlegen (Kabelkanäle ab 5 Euro)
  • Nachtlicht mit Bewegungsmelder für den Weg zur Toilette (10 bis 30 Euro)

Bauliche Maßnahmen:

  • Türschwellen zwischen den Zimmern entfernen oder abschrägen (165 bis 285 Euro pro Schwelle)
  • Flurbeleuchtung auf mindestens 200 Lux erhöhen (50 bis 200 Euro)
  • Beleuchtete oder phosphoreszierende Lichtschalter einbauen (2 bis 10 Euro pro Schalter)

Bad und WC

Das Badezimmer ist der gefährlichste Raum im Haus. Nässe, glatte Fliesen und riskante Bewegungsabläufe beim Duschen, Baden und Toilettengang kommen hier zusammen.

Sofortmaßnahmen (unter 100 Euro):

  • Anti-Rutsch-Einlagen in der Badewanne (5 bis 20 Euro)
  • Rutschfester Badvorleger mit Haftbeschichtung (15 bis 40 Euro)
  • Nachtlicht im Bad (10 bis 30 Euro)

Mittlere Maßnahmen (100 bis 1.000 Euro):

  • Haltegriffe neben dem WC zum Aufstehen (ab 265 Euro inklusive Montage)
  • Haltegriffe in der Dusche, senkrecht und waagerecht (ab 265 Euro pro Griff)
  • Stützklappgriffe neben dem WC (ab 350 Euro)
  • WC-Sitzerhöhung als Sofortmaßnahme (45 bis 300 Euro)

Größere Umbauten:

  • Bodengleiche Dusche statt hoher Badewanneneinstieg (2.000 bis 8.000 Euro)
  • Kompletter barrierefreier Badumbau mit rutschfesten Fliesen, Haltegriffen und Sitz (8.000 bis 20.000 Euro)
  • Rutschfester Bodenbelag im gesamten Bad, mindestens R10 für Trockenbereiche, R10 plus Bewertungsgruppe B für die Dusche (800 bis 3.000 Euro für ca. 10 m2)

Ausführliche Informationen zu Bad-Spezialisten finden Sie in unserer Fachbetrieb-Suche für barrierefreie Bäder.

Küche

Die Küche wird unterschätzt: Spritzwasser vor der Spüle, hektische Bewegungen, unerreichbare Oberschränke.

Sofortmaßnahmen:

  • Rutschfeste Matte vor der Spüle (10 bis 30 Euro)
  • Häufig benutzte Gegenstände auf Griffhöhe umräumen (keine Leiter nötig)
  • Unterschrankbeleuchtung an Arbeitsflächen (LED-Leisten ab 15 Euro)

Bauliche Maßnahmen:

  • Rutschfester Küchenboden, mindestens R10 (800 bis 3.000 Euro bei Komplettaustausch)
  • Schwellen zwischen Küche und angrenzenden Räumen entfernen
  • Ausreichende Beleuchtung an Arbeitsflächen (mindestens 500 Lux)

Mehr zum Thema in unserem Ratgeber Barrierefreie Küche.

Schlafzimmer

Das Schlafzimmer ist nachts der Ausgangspunkt für den Toilettengang, den gefährlichsten Weg im Haus. Einen umfassenden Ratgeber mit Checkliste, Kostenübersicht und Pflegebett-Antrag finden Sie unter Barrierefreies Schlafzimmer.

Sofortmaßnahmen:

  • Nachttischlampe direkt vom Bett aus erreichbar (Schnurschalter oder Touchfunktion)
  • Nachtlicht mit Bewegungsmelder zwischen Bett und Tür (10 bis 30 Euro)
  • LED-Lichtleiste unter dem Bett als Orientierung (10 bis 40 Euro)
  • Kein loser Bettvorleger oder erhöhte Teppichkante
  • Kleidung und Schuhe ohne riskante Bückbewegungen erreichbar (auf Augenhöhe)

Betthöhe prüfen: Die optimale Sitzhöhe des Bettes liegt bei 55 bis 60 cm. Ein zu niedriges Bett erschwert das Aufstehen erheblich. Betterhöhungen kosten 10 bis 30 Euro und können sofort helfen.

Treppen

Treppen sind nach dem Badezimmer der zweithäufigste Ort für schwere Stürze im Haushalt.

Sofortmaßnahmen (unter 100 Euro):

  • Anti-Rutsch-Streifen auf alle Treppenstufen kleben (1 bis 3 Euro pro laufenden Meter)
  • Erste und letzte Stufe farblich markieren mit Kontraststreifen (1 bis 3 Euro pro Stück)
  • Beleuchtung im Treppenhaus auf mindestens 300 Lux erhöhen

Bauliche Maßnahmen:

  • Handlauf beidseitig nachrüsten, durchgehend über alle Absätze, Durchmesser 30 bis 45 mm, kontrastreich zur Wand (300 bis 800 Euro pro Seite, beidseitig 600 bis 1.600 Euro)
  • Handlauf muss mindestens 30 cm über das letzte Podest hinausgehen
  • Bewegungsmelder-Deckenleuchten im Treppenhaus (50 bis 200 Euro)

Wenn Treppen nicht mehr sicher sind: Ein Treppenlift (3.500 bis 15.000 Euro je nach Bauart) kann die Lösung sein. Lesen Sie auch unseren Vergleich Treppenlift vs. Aufzug.

Was kosten die Maßnahmen?

Die folgende Tabelle zeigt alle gängigen Maßnahmen zur Sturzprävention, sortiert nach Kosten. Viele Sofortmaßnahmen kosten weniger als 50 Euro und sind ohne Handwerker umsetzbar.

MaßnahmeKosten (ca.)Handwerker nötig?Förderfähig?
Anti-Rutsch-Einlagen Badewanne5 – 20 EuroNeinNein
Nachtlicht mit Bewegungsmelder10 – 30 EuroNeinNein
LED-Lichtleiste unter dem Bett10 – 40 EuroNeinNein
Anti-Rutsch-Streifen Treppe20 – 60 EuroNeinNein
Beleuchtete Lichtschalter20 – 50 EuroNeinNein
Teppich fixieren oder entfernen0 – 50 EuroNeinNein
WC-Sitzerhöhung (Aufsatz)45 – 300 EuroNeinKrankenkasse
Einfacher Haltegriff (Selbstmontage)20 – 80 EuroNeinNein
Türschwelle beseitigen165 – 285 EuroJaPflegekasse
Wandstützgriff (professionell)265 – 500 EuroJaPflegekasse
Stützklappgriff neben WC350 – 600 EuroJaPflegekasse
Handlauf nachrüsten (1 Seite)300 – 800 EuroJaPflegekasse, KfW
Handlauf beidseitig nachrüsten600 – 1.600 EuroJaPflegekasse, KfW
Rutschfester Bodenbelag Bad (10 m2)800 – 3.000 EuroJaPflegekasse
Türverbreiterung1.500 – 3.000 EuroJaPflegekasse
Bodengleiche Dusche (einfach)2.000 – 4.000 EuroJaPflegekasse
Bodengleiche Dusche (Komplett)5.000 – 8.000 EuroJaPflegekasse
Gerader Treppenlift3.500 – 9.800 EuroJaPflegekasse, KfW
Kurventreppenlift8.000 – 15.000 EuroJaPflegekasse, KfW
Komplettes Bad-Umrüstungspaket8.000 – 20.000 EuroJaKombinierbar

Praxistipp: Beginnen Sie mit den günstigen Sofortmaßnahmen. Anti-Rutsch-Streifen, Nachtlichter und das Entfernen loser Teppiche kosten zusammen unter 100 Euro und senken das Sturzrisiko bereits deutlich.

Förderung: Wer bezahlt?

Ein großer Teil der Kosten für Sturzprävention wird durch öffentliche Förderprogramme übernommen. Die drei wichtigsten Säulen im Überblick:

Pflegekasse: Bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme

Die Pflegekasse bezuschusst wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach Paragraf 40 SGB XI:

  • Betrag: Bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme (Stand 2026)
  • Voraussetzung: Anerkannter Pflegegrad (1 bis 5)
  • Bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt: Bis zu 4 x 4.180 Euro = 16.720 Euro
  • Antrag: Muss vor Beginn der Maßnahme bei der Pflegekasse gestellt werden
  • Wichtig: Es handelt sich um einen Zuschuss, nicht um einen Kredit. Die Differenz trägt der Betroffene selbst.

Förderfähig sind unter anderem: Schwellenbeseitigung, Haltegriffe und Handläufe, bodengleiche Dusche, Treppenlift, Türverbreiterung, rutschfeste Bodenbeläge und Beleuchtungsverbesserungen.

KfW-Programm 159: Kredit bis 50.000 Euro

  • Art: Niedrigzins-Kredit (kein Zuschuss)
  • Betrag: Bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit
  • Voraussetzung: Kein Pflegegrad erforderlich, steht allen offen
  • Antrag: Über die Hausbank vor Beginn der Maßnahme

KfW 455-B: Investitionszuschuss bis 2.500 Euro

  • Art: Zuschuss (nicht rückzahlbar)
  • Betrag: Bis zu 2.500 Euro oder 12,5 % der Investitionskosten
  • Voraussetzung: Kein Pflegegrad erforderlich
  • Förderfähig: Treppenumgestaltung, Handläufe, Stufenmarkierungen und mehr

Steuerbonus für Handwerkerleistungen

  • Art: Steuerermäßigung auf Lohnkosten (Paragraf 35a EStG)
  • Betrag: 20 % der Lohnkosten, maximal 1.200 Euro pro Jahr
  • Voraussetzung: Rechnung mit separat ausgewiesenen Lohnkosten
  • Kombination: Stapelbar mit Pflegekasse und KfW

Krankenkasse: Hilfsmittel ohne Pflegegrad

Bestimmte Produkte werden als Hilfsmittel nach Paragraf 33 SGB V erstattet, auch ohne Pflegegrad:

  • WC-Sitzerhöhungen
  • Haltegriffe (als Festbetragsleistung)
  • Einstiegshilfen für die Badewanne
  • Gehstöcke und Rollatoren

Rechenbeispiel: Badumbau mit Förderung

PositionBetrag
Bodengleiche Dusche + Haltegriffe + rutschfester Boden6.000 Euro
Pflegekasse (bei Pflegegrad)- 4.180 Euro
Steuerbonus (20 % von ca. 2.500 Euro Lohnkosten)- 500 Euro
Tatsächlicher Eigenanteilca. 1.320 Euro

Ausführliche Informationen zu Förderprogrammen in Ihrem Bundesland finden Sie auf unserer Förderübersicht.

Medizinische Prävention

Bauliche Maßnahmen allein reichen nicht aus. Die Forschung zeigt, dass die Kombination aus Umgebungsanpassung, körperlichem Training und medizinischer Vorsorge die wirksamste Strategie ist.

Der Timed Up and Go Test

Der Timed Up and Go Test (TUG) ist der Goldstandard zur Einschätzung des individuellen Sturzrisikos. Sie können ihn zu Hause durchführen:

Durchführung:

  1. Setzen Sie sich auf einen Stuhl mit Armlehnen
  2. Stehen Sie auf (möglichst ohne sich an den Oberschenkeln abzustützen)
  3. Gehen Sie 3 Meter geradeaus
  4. Drehen Sie um
  5. Gehen Sie zurück
  6. Setzen Sie sich wieder hin

Stoppen Sie die Zeit.

Auswertung:

ZeitEinschätzung
Unter 12 SekundenNormales Sturzrisiko
12 bis 20 SekundenLeicht erhöhtes Sturzrisiko
Über 20 SekundenDeutlich erhöhtes Sturzrisiko, Maßnahmen dringend empfohlen

Erweiterte Variante (Dual-Task): Führen Sie den gleichen Test durch, zählen Sie dabei aber laut in Dreierschritten rückwärts (100, 97, 94 ...). Verlängert sich die Zeit um mehr als 20 %, deutet das auf ein zusätzliches kognitives Sturzrisiko hin.

Gleichgewichtstraining: die wirksamste Einzelmaßnahme

Regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining ist die am besten belegte Maßnahme zur Sturzprävention. Gute Programme reduzieren Stürze um 20 bis 35 %.

Empfohlener Umfang:

  • Mindestens 3 Mal pro Woche, jeweils 30 bis 60 Minuten
  • Kombination aus Kraft- und Gleichgewichtsübungen
  • Steigende Schwierigkeit über die Zeit (progressives Prinzip)

Bewährte Trainingsformen:

AktivitätSturzreduktionBesonderheit
Tai ChiBis zu 47 %Am besten belegt, besonders für Gleichgewicht
Physiotherapie (individuell)20 – 35 %Maßgeschneidert auf persönliche Defizite
Yoga20 – 30 %Verbessert Gleichgewicht und Körperbewusstsein
Tanzen15 – 25 %Koordinationsfördernd und sozial motivierend
SchwimmenNicht spezifisch beziffertGelenkschonend, Kraft- und Ausdaueraufbau

Neue Erkenntnis aus der Forschung (2024): Dual-Tasking-Training, also gleichzeitige körperliche und kognitive Aufgaben, zeigt teils bessere Ergebnisse als reines Gleichgewichtstraining, weil es der alltäglichen Mehrfachbelastung entspricht.

Vitamin D und Ernährung

Vitamin-D-Mangel ist bei Senioren weit verbreitet und erhöht das Sturzrisiko durch Muskelschwäche. Lassen Sie den Vitamin-D-Spiegel beim Hausarzt bestimmen. Eine Supplementierung mit 800 bis 2.000 IE täglich wird häufig empfohlen, sollte aber ärztlich abgestimmt sein.

Medikamenten-Check beim Hausarzt

Wer einmal gestürzt ist oder Gleichgewichtsprobleme bemerkt, sollte den Hausarzt aufsuchen. Die ärztliche Sturzrisiko-Untersuchung umfasst:

  • Vollständige Medikamentenanamnese (Polypharmazie-Check)
  • Blutdruckmessung im Liegen und Stehen (orthostatische Hypotonie)
  • Seh- und Hörtest
  • Laborwerte: Vitamin D, Elektrolyte, Blutbild
  • Muskelkraft- und Gleichgewichtsbeurteilung

Geeignetes Schuhwerk

Ein oft übersehener Punkt: Falsches Schuhwerk im Haus ist ein direkter Sturzauslöser.

  • Vermeiden: Offene Pantoffeln ohne Fersenriemen, Socken auf glatten Böden, zu große oder zu lockere Schuhe
  • Empfehlung: Geschlossene Hausschuhe mit rutschfester Sohle und stabilem Halt

Checkliste: 30-Punkte Sturz-Check für Ihre Wohnung

Gehen Sie diese Liste Raum für Raum durch. Jedes "Nein" ist eine konkrete Handlungsempfehlung.

Eingang und Haustür (5 Punkte)

  1. Haustürschwelle ist maximal 2 cm hoch oder schwellenfrei
  2. Außentreppen haben beidseitige Handläufe
  3. Klingel und Briefkasten sind ohne Bücken erreichbar
  4. Außenbeleuchtung schaltet automatisch bei Bewegung ein
  5. Fußmatte vor der Tür hat rutschfeste Unterseite

Flur und Übergänge (5 Punkte)

  1. Alle Teppiche und Läufer sind fest fixiert oder entfernt
  2. Keine Kabel auf Laufwegen
  3. Türschwellen zwischen Zimmern sind unter 2 cm oder entfernt
  4. Flurbeleuchtung erreicht mindestens 100 Lux
  5. Nachtlicht für den Weg zur Toilette ist vorhanden

Bad und WC (7 Punkte)

  1. Haltegriff neben dem WC zum Aufstehen vorhanden
  2. Mindestens ein Haltegriff in der Dusche oder an der Badewanne
  3. Duschboden oder Badewanne hat rutschfesten Belag
  4. Badvorleger hat rutschfeste Unterseite oder ist fixiert
  5. Einstiegshöhe in Badewanne ist sicher bewältigbar (oder Dusche vorhanden)
  6. Waschtisch ist stabil genug als Stütze (kein Kippen möglich)
  7. Beleuchtung im Bad erreicht mindestens 150 Lux

Küche (5 Punkte)

  1. Arbeitsbereich ist ausreichend beleuchtet (Unterschrankbeleuchtung)
  2. Küchenboden ist bei Nässe rutschfest
  3. Keine Stufen oder Schwellen im Küchenbereich
  4. Schränke werden nicht als Stütze verwendet (Kippgefahr)
  5. Häufig benutzte Gegenstände sind ohne Leiter erreichbar

Schlafzimmer (4 Punkte)

  1. Betthöhe ermöglicht leichtes Aufstehen (55 bis 60 cm empfohlen)
  2. Licht ist direkt vom Bett aus erreichbar
  3. Orientierungslicht für den Toilettengang vorhanden
  4. Kein loser Bettvorleger oder erhöhte Teppichkante

Treppen (4 Punkte)

  1. Handlauf auf beiden Seiten vorhanden
  2. Erste und letzte Stufe sind farblich markiert
  3. Treppenbeleuchtung erreicht mindestens 150 Lux (besser 300)
  4. Anti-Rutsch-Streifen auf allen Stufen vorhanden

Auswertung:

  • 25 bis 30 Punkte erfüllt: Ihre Wohnung ist gut aufgestellt. Prüfen Sie die verbleibenden Punkte.
  • 15 bis 24 Punkte erfüllt: Es gibt deutlichen Handlungsbedarf. Beginnen Sie mit den günstigsten Maßnahmen.
  • Unter 15 Punkte erfüllt: Die Sturzgefahr ist hoch. Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb beraten und prüfen Sie die Fördermöglichkeiten.

Zusammenfassung: So gehen Sie vor

Sturzprävention muss nicht teuer sein und muss nicht alles auf einmal passieren. Die effektivste Reihenfolge:

Schritt 1: Sofortmaßnahmen (unter 100 Euro, heute umsetzbar)

  • Lose Teppiche fixieren oder entfernen
  • Kabel aus Laufwegen verlegen
  • Nachtlichter mit Bewegungsmelder aufstellen
  • Anti-Rutsch-Einlagen in Badewanne und Dusche
  • Anti-Rutsch-Streifen auf Treppenstufen

Schritt 2: Gezielte Nachrüstungen (100 bis 1.000 Euro)

  • Haltegriffe in Bad und WC montieren lassen
  • Handlauf an der Treppe beidseitig nachrüsten
  • Türschwellen beseitigen
  • Beleuchtung verbessern

Schritt 3: Größere Umbauten (1.000 Euro und mehr, meist förderfähig)

Schritt 4: Medizinische Vorsorge (parallel zu allen Schritten)

  • Timed Up and Go Test durchführen
  • Medikamenten-Check beim Hausarzt
  • Regelmäßiges Gleichgewichtstraining starten
  • Vitamin-D-Spiegel prüfen lassen

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Für bauliche Maßnahmen empfehlen wir die Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachbetrieben, die Erfahrung mit barrierefreien Umbauten und den geltenden DIN-Normen haben. Viele Betriebe unterstützen auch bei Förderanträgen.

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