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Umbau & Planung

Barrierefreier Eingangsbereich: Schwellenlos ins eigene Zuhause 2026

23. Februar 202611 Min. Lesezeit

Warum der Eingangsbereich so entscheidend ist

Der Eingangsbereich ist die erste und letzte Hürde bei jedem Verlassen und Betreten der Wohnung. Eine einzige Stufe, eine schwergängige Tür oder eine schlecht beleuchtete Klingelanlage kann dafür sorgen, dass Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe ihr Zuhause nicht mehr selbstständig nutzen können.

Das Problem: Bei den meisten Bestandsgebäuden in Deutschland wurde der Eingangsbereich nie für eingeschränkte Mobilität geplant. Türschwellen von 3 bis 5 cm, Stufen vor der Haustür, schwere Türen ohne Automatik und fehlende Beleuchtung sind der Normalfall. Die gute Nachricht: Fast alle diese Hindernisse lassen sich beseitigen — oft mit überschaubarem Aufwand und guter Förderung.

Dieser Ratgeber erklärt die konkreten Anforderungen der DIN 18040, zeigt die wichtigsten Maßnahmen mit realistischen Kosten und hilft Ihnen, die richtige Förderung zu finden.

DIN 18040: Was die Norm für den Eingangsbereich vorschreibt

Die DIN 18040-2 (Wohnungen) und die DIN EN 17210 (europäische Norm) definieren die Mindestanforderungen für barrierefreie Eingangsbereiche. Für private Einfamilienhäuser gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Einhaltung — aber Förderinstitutionen wie KfW und Pflegekasse setzen die Normen häufig voraus.

Die 7 Kernanforderungen

AnforderungDIN 18040 / DIN EN 17210
SchwelleSchwellenlos (max. 2 cm, mit Kontrast zum Boden)
TürbreiteMind. 90 cm lichte Durchgangsbreite
Bewegungsfläche150 x 150 cm vor und hinter der Tür
BedienelementeHöhe 85 cm (Klingel, Griffe, Briefkasten)
BeleuchtungAusreichend, blendfrei, mit Bewegungsmelder
WitterungsschutzVordach oder Überdachung empfohlen
BodenbelagRutschfest (mind. R10 im Außenbereich)

Rollstuhlgerechter Standard (R-Zusatz): Für uneingeschränkte Rollstuhlnutzung gelten erweiterte Anforderungen — insbesondere ein Manövrierraum von 160 x 215 cm vor der Tür und ausreichend Freiraum auf der Schlossseite zum Heranfahren.

Schwellenregel im Detail

Die Norm verlangt einen niveaugleichen Zugang. Falls technisch unvermeidbar, darf eine Schwelle maximal 2 cm hoch sein und muss einen visuellen Kontrast zum Boden aufweisen. In der Praxis bedeutet das: Wenn Ihre Haustürschwelle höher als 2 cm ist, muss sie abgebaut oder mit einer Rampe überbrückt werden.

Die 8 wichtigsten Maßnahmen im Eingangsbereich

1. Schwellen abbauen oder überbrücken

Schwellen sind das häufigste Hindernis am Hauseingang. Es gibt drei Lösungswege:

Schwellenrampen (1 -- 6 cm Höhe): Einfachste Lösung — Aluminium- oder Gummirampen, die vor die Schwelle gelegt oder geschraubt werden.

  • Kosten: 30 -- 200 Euro
  • Montage: Selbst möglich, kein Handwerker nötig

Keilbrücken (5 -- 20 cm Höhe): Breitere, flache Rampen aus Aluminium für eine einzelne Stufe.

  • Kosten: 100 -- 400 Euro
  • Montage: Auflegen, keine Befestigung nötig

Festeingebaute Rampe (ab 20 cm Höhe): Dauerhafte Lösung für größere Höhenunterschiede. Betonrampe, Aluminiumrampe oder gemauerte Variante.

  • Kosten: 1.500 -- 15.000 Euro (je nach Höhe und Material)
  • Montage: Fachbetrieb erforderlich

Mehr Details, Maße und Steigungsberechnungen finden Sie in unserem Ratgeber Barrierefreie Rampe.

2. Haustür verbreitern

Die DIN 18040 verlangt mindestens 90 cm lichte Durchgangsbreite. Viele Bestandstüren haben nur 80 cm oder weniger. Eine Türverbreiterung erfordert in der Regel bauliche Veränderungen am Türrahmen und gegebenenfalls an der Wand.

MaßnahmeKosten
Zarge austauschen (gleiche Wandöffnung)300 -- 800 Euro
Wanddurchbruch erweitern + neue Tür1.500 -- 4.000 Euro
Schiebetür statt Drehtür800 -- 2.500 Euro

Tipp: Schiebetüren sparen Schwenkraum und erleichtern die Passage mit Rollator oder Rollstuhl erheblich. Außerdem entfällt das Problem schwergängiger Obertürschließer.

3. Automatischer Türöffner

Für Menschen mit eingeschränkter Greifkraft oder im Rollstuhl ist eine automatische Haustür oft die wichtigste Einzelmaßnahme. Es gibt zwei Systeme:

Low-Energy-Antriebe (LE): Öffnen die Tür langsam und kontrolliert per Knopfdruck, Fernbedienung oder Sensor. Sicherer, leiser, ideal für den Privatbereich.

  • Kosten: 1.200 -- 3.000 Euro (inkl. Einbau)

High-Energy-Antriebe (HE): Öffnen schnell und mit mehr Kraft, mit Sicherheitssensoren gegen Einklemmung. Eher für Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude.

  • Kosten: 2.000 -- 5.000 Euro (inkl. Einbau)

Smart-Home-Variante: Smarte Türschlösser (ab 99 Euro) mit App, Fingerabdruck oder Auto-Unlock bei Annäherung sind eine günstige Alternative zur vollautomatischen Tür. Mehr dazu in unserem Smart-Home-Ratgeber.

4. Klingelanlage und Gegensprechanlage

Bedienelemente müssen nach DIN 18040 in einer Höhe von 85 cm angebracht sein — erreichbar aus dem Rollstuhl und im Stehen.

LösungKostenBesonderheit
Klingeltaster auf 85 cm umsetzen50 -- 200 EuroEinfachste Maßnahme
Freisprechanlage (Audio)100 -- 400 EuroKein Hörer nötig
Video-Gegensprechanlage200 -- 800 EuroSichtprüfung vom Bett/Sofa
Smarte Türklingel (Ring, Google Nest)100 -- 350 EuroApp-Benachrichtigung, Videoanruf

Für Sehbehinderte: Die Klingelanlage sollte kontrastreich gestaltet sein — helle Taster auf dunklem Hintergrund oder umgekehrt. Tastbare Beschriftungen (erhabene Ziffern oder Braille) sind ideal.

5. Vordach und Witterungsschutz

Ein Vordach schützt beim Aufschließen, beim Ein- und Aussteigen aus dem Rollstuhl und verhindert, dass die Rampe bei Regen oder Schnee zur Rutschfalle wird.

LösungKosten
Vordach (Aluminium/Glas, 150 cm Ausladung)300 -- 1.500 Euro
Seitenwindschutz (Glas/Polycarbonat)200 -- 800 Euro
Entwässerungsrinne vor der Tür100 -- 400 Euro

Wichtig: Ein Vordach mit mindestens 150 cm Ausladung deckt die Bewegungsfläche vor der Tür ab. Weniger als 120 cm bietet keinen ausreichenden Schutz beim Umsetzen vom Rollstuhl.

6. Beleuchtung

Im Alter nimmt die Sehfähigkeit ab — ein 80-Jähriger benötigt durchschnittlich die zehnfache Beleuchtungsstärke eines jungen Menschen. Der Eingangsbereich ist besonders kritisch, weil man hier zwischen Innen und Außen wechselt und die Augen sich anpassen müssen.

MaßnahmeKosten
LED-Wandleuchte mit Bewegungsmelder30 -- 150 Euro
Beleuchtete Hausnummer20 -- 80 Euro
LED-Bodeneinbauleuchten (Wegeführung)50 -- 200 Euro (pro Stück)
Smart-Home-Lichtsteuerung (Sprachbefehl)100 -- 300 Euro

3 Regeln für barrierefreie Beleuchtung:

  1. Blendfrei: Keine direkten Strahler in Augenhöhe, besonders nicht an Stufen oder Rampen
  2. Warmweiß: 3.000 Kelvin für angenehmes Licht ohne Blendung
  3. Automatisch: Bewegungsmelder im Außenbereich, Dämmerungssensoren für die Hausnummer

7. Rutschfester Bodenbelag

Nasse Fliesen, polierter Naturstein oder lose Kieselwege sind Sturzfallen. Im Außenbereich gilt die Rutschfestigkeitsklasse R10 als Minimum, besser ist R11 oder R12.

BodenbelagEignungKosten (pro m²)
Feinsteinzeug (R11)Sehr gut30 -- 60 Euro
Naturstein mit Flamm-FinishGut50 -- 120 Euro
Gummigranulat (Fallschutz)Sehr gut40 -- 80 Euro
Epoxidharz-BeschichtungGut (nachrüstbar)20 -- 50 Euro

Gitterroste und Fußmatten: Die DIN EN 17210 verlangt, dass Gitterroste Schlitze quer zur Laufrichtung haben und bündig mit dem Boden abschließen. Fußmatten müssen bündig eingelassen sein — lose Matten sind Stolperfallen. Mehr zum Thema Böden in unserem Sturzpräventions-Ratgeber.

8. Briefkasten und Hausnummer

Oft vergessen, aber wichtig: Der Briefkasten sollte in einer Höhe von 85 cm montiert sein (Einwurfklappe). Für Rollstuhlfahrer ist eine Sammelanlage im Eingangsflur ideal — kein Bücken, kein Reichen.

Die Hausnummer muss gut sichtbar und beleuchtet sein. Kontrastreich gestaltet (dunkle Ziffern auf hellem Grund oder umgekehrt) und in einer Höhe von 120 -- 160 cm.

Kostenübersicht: Was kostet ein barrierefreier Eingangsbereich?

Die Kosten hängen stark vom Ausgangszustand ab. Ein Neubau mit barrierefreier Planung kostet wenig Aufpreis. Im Bestand summieren sich die Maßnahmen:

Maßnahmen-PaketKostenTypische Situation
Minimal (Schwellenrampe + Beleuchtung)200 -- 500 EuroKleine Schwelle, Tür breit genug
Standard (Rampe + Türverbreiterung + Vordach)3.000 -- 8.000 Euro1 -- 3 Stufen, Tür zu schmal
Komplett (Rampe + Tür + Automatik + Belag)8.000 -- 20.000 EuroMehrere Stufen, kompletter Umbau
Premium (Plattformlift + elektr. Tür + Smart Home)15.000 -- 35.000 EuroHoher Höhenunterschied

Förderung: Wer zahlt den Umbau?

Pflegekasse (bis 4.180 Euro)

Bei Pflegegrad 1 -- 5 bezuschusst die Pflegekasse wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme (seit 01.01.2025). Leben mehrere Pflegebedürftige im Haushalt, sind bis zu 16.720 Euro möglich.

Wichtig: Antrag VOR Beginn der Maßnahme stellen. Der Schwellenabbau am Eingang, eine Rampe oder ein automatischer Türöffner fallen unter wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.

KfW 159 — Kredit bis 50.000 Euro

Der KfW-Kredit "Altersgerecht Umbauen" (Programm 159) steht allen offen — unabhängig von Alter oder Pflegegrad. Zinsgünstiger Kredit bis 50.000 Euro pro Wohneinheit. Antrag über die Hausbank VOR Baubeginn.

KfW 455-B — Zuschuss (pausiert)

Das Zuschussprogramm ist seit 2025 pausiert. Neustart ist für Frühjahr 2026 geplant, allerdings mit stark reduziertem Budget (50 Mio. Euro statt 150 Mio.). Einzelmaßnahmen werden mit 10 % der Kosten bezuschusst (max. 2.500 Euro), der Standard "Altersgerechtes Haus" mit 12,5 % (max. 6.250 Euro).

Landesförderung

Zusätzlich zur Bundesförderung haben viele Bundesländer eigene Programme. Besonders großzügig: Hamburg (bis 15.000 Euro über IFB), Hessen (bis 15.000 Euro über WIBank) und die ostdeutschen Bundesländer. Prüfen Sie die Förderung in Ihrem Bundesland.

Kombinierbarkeit

Pflegekasse und KfW lassen sich in der Regel kombinieren. Beispiel: 4.180 Euro Pflegekasse + 2.500 Euro KfW 455-B + Landesförderung = in vielen Fällen wird der größte Teil der Kosten gedeckt. Details zur optimalen Kombination finden Sie in unserem Förder-Ratgeber.

7 häufige Fehler beim Umbau des Eingangsbereichs

  1. Schwelle nur abgeflacht statt entfernt: Eine 3-cm-Schwelle auf 1,5 cm zu reduzieren löst das Problem nicht — die Norm verlangt maximal 2 cm, und selbst das ist ein Kompromiss.

  2. Obertürschließer zu straff eingestellt: Der häufigste unsichtbare Fehler. Ein schwergängiger Türschließer macht die schönste barrierefreie Tür nutzlos. Die DIN begrenzt den Kraftaufwand — bei Überschreitung ist ein automatischer Antrieb Pflicht.

  3. Klingel auf Standardhöhe (140 cm): Für Rollstuhlfahrer unerreichbar. Die richtige Höhe ist 85 cm — auch wenn das für Stehende ungewohnt aussieht.

  4. Lose Fußmatte vor der Tür: Eine der häufigsten Stolperfallen in Deutschland. Fußmatten müssen bündig eingelassen sein oder ganz entfallen.

  5. Rampe ohne Handlauf: Bei mehr als 6 cm Höhenunterschied verlangt die Norm beidseitige Handläufe. Ohne Handläufe ist die Rampe für Rollatornutzer gefährlich.

  6. Beleuchtung vergessen: Ein barrierefreier Eingang ohne Beleuchtung ist ab der Dämmerung wieder eine Barriere. Bewegungsmelder im Außenbereich sind Pflicht.

  7. Entwässerung nicht eingeplant: Eine schwellenlose Haustür ohne Entwässerungsrinne und Gefälle führt bei Starkregen zu Wassereintritt. Fachplanung mit einem Bauwerksabdichter ist hier entscheidend.

Wenn Sie den Eingangsbereich barrierefrei gestalten, lohnt sich oft ein Blick auf den gesamten Außenbereich — in unserem Garten-Ratgeber erfahren Sie, wie Wege, Terrasse und Hochbeete rollstuhlgerecht werden.

Checkliste: Ist Ihr Eingangsbereich barrierefrei?

  • Schwelle max. 2 cm (besser: schwellenlos)?
  • Türbreite mind. 90 cm lichte Durchgangsbreite?
  • Bewegungsfläche 150 x 150 cm vor und hinter der Tür?
  • Tür mit max. 25 N Bedienkraft zu öffnen?
  • Klingel, Briefkasten, Griffe auf 85 cm Höhe?
  • Automatischer Türöffner oder leichtgängige Tür?
  • Vordach mit mind. 150 cm Ausladung?
  • Rutschfester Bodenbelag (mind. R10)?
  • Beleuchtung mit Bewegungsmelder?
  • Fußmatte bündig eingelassen (keine Stolperfalle)?
  • Entwässerung vor der Haustür?
  • Beleuchtete Hausnummer?

Wenn Sie mehr als 3 Punkte nicht abhaken können, lohnt sich ein Beratungsgespräch mit einem Fachbetrieb. Finden Sie einen Spezialisten für barrierefreie Eingänge in Ihrer Nähe.

Eingangsbereich im Mehrfamilienhaus

In Mehrfamilienhäusern gelten besondere Regeln:

  • Gemeinschaftseigentum: Änderungen am Eingangsbereich betreffen alle Eigentümer. Seit der WEG-Reform 2020 hat jeder Wohnungseigentümer einen Anspruch auf bauliche Veränderungen zur Barrierefreiheit — die Kosten trägt allerdings der Antragsteller.
  • Mieter: Mit Zustimmung des Vermieters können Mieter bauliche Anpassungen vornehmen. Die Kosten für den Rückbau können vertraglich geregelt werden.
  • Aufzug vs. Rampe: Bei mehr als 3 Stufen am Hauseingang wird eine Rampe schnell sehr lang. Ein Plattformlift oder Treppenlift kann die bessere Lösung sein.

Planung: Der richtige Ablauf

  1. Bestandsaufnahme: Was genau sind die Hindernisse? Schwelle messen, Türbreite prüfen, Stufen zählen.
  2. Förderung prüfen: Pflegegrad vorhanden? KfW-Programm geöffnet? Landesförderung verfügbar?
  3. Fachbetrieb beauftragen: Ein spezialisierter Betrieb kennt die DIN-Anforderungen und kann Förderanträge unterstützen. Fachbetrieb in Ihrer Stadt finden.
  4. Antrag stellen: Immer VOR Baubeginn — bei Pflegekasse und KfW ist der Antrag zwingende Voraussetzung.
  5. Umbau durchführen: Idealerweise alle Maßnahmen am Eingang gebündelt, um Kosten zu sparen.
  6. Abnahme und Dokumentation: Fotos und Rechnungen für die Förderstelle aufbewahren.

Fazit

Ein barrierefreier Eingangsbereich ist die Grundvoraussetzung für selbstständiges Wohnen. Die wichtigsten Maßnahmen — Schwellenabbau, Türverbreiterung, Beleuchtung — sind technisch einfach und oft überraschend günstig. Mit Pflegekasse, KfW und Landesförderung wird ein Großteil der Kosten gedeckt.

Nächster Schritt: Finden Sie einen Fachbetrieb für barrierefreie Eingänge in Ihrer Nähe oder informieren Sie sich über die Förderung in Ihrem Bundesland.

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